Mein Weg von der Kuschel- zur Pflegemama

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Ein ganz besonderer Bericht einer ehrenamtlichen Familienbegleiterin des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizes Halle

Im August bekam ich den Anruf vom AKJH, ob ich mir vorstellen könnte, ein Baby im Klinikum Kröllwitz an 2 Tage in der Woche zu betreuen. Es wäre ein Neugeborenes mit schweren Kopfverletzungen aus dem Harz. Ich überlegte nicht lange und sagte zu. Vor der ersten Begegnung war ich etwas angespannt und aufgeregt, da ich nicht einschätzen konnte, was auf mich zukommt. Doch als ich den kleinen Jungen dann sah und ich ihn das erste Mal auf den Arm nehmen konnte, verflogen alle Ängste. Ich fuhr alle 2 Tage zu ihm zum Kuscheln, um dem Kind so wichtigen Körperkontakt in der ersten Lebensphase zu schenken.

Jedes Mal war unsere gemeinsame Zeit anders. Es ging ihm nicht immer gut, er musste sich mehreren Operationen am Kopf stellen. Das Trinken aus dem Fläschchen gestaltete sich oft schwierig, so dass er teils über die Magensonde ernährt werden musste. Das Verhältnis zum Klinikpersonal war nicht immer befriedigend und die Schwestern sehr unterschiedlich im Umgang mit mir als Kuschelmama. Es fehlte ihnen einfach an Zeit, sich intensiver mit dem Kind oder mit mir zu beschäftigen. Da brauchte ich ein dickes Fell. Aber letztendlich waren auf Station doch alle froh, dass jemand zum Kuscheln, zum Zeit schenken kam. Die emotionale Bindung wurde immer intensiver, sein Schicksal hat mich nicht unberührt gelassen. Auch meine Tochter – ebenfalls ehrenamtliche Familienbegleiterin – übernahm nach Rücksprache mit der Station und dem Jugendamt das Kuscheln, sodass wir fast täglich bei dem Kleinen sein konnten. Wir haben viel mit dem Jugendamt Harz telefoniert und uns bereit erklärt, dem Kleinen ein neues Zuhause zu geben und seine Pflege und Betreuung zu übernehmen. Jetzt begannen die Hürden. Das für uns zuständige Jugendamt im Saalekreis wurde nun um Prüfung einer Pflegschaft gebeten, damit der Kleine nach seiner Leidensgeschichte ein zu Hause bekommt. Zu seiner leiblichen Mutter darf er nicht mehr zurück. Andere Pflegefamilien, die zeitnah ein behindertes Baby aufnehmen würden, gibt es weder im Harz noch im Saalekreis. Unsere ersten Kontakte zum Jugendamt Saalekreis verliefen leider nicht besonders herzlich und empathisch, oft hatten wir das Gefühl, mehr ein Störfaktor als willkommen zu sein. Das Prüfverfahren würde ca. 9 Monate dauern, viele Unterlagen müssten zusammengestellt, das eigene Leben dargestellt und offengelegt, die Ausbildung und beruflichen Wege geprüft werden und so weiter. Auch das häusliche Umfeld würde beleuchtet, Besuche im Haus stattfinden. Wir haben uns manchmal die Frage gestellt, ob wir das wirklich alles wollen und aushalten. Aber da ist der Kleine und wir tun alles, um ihm ein gutes Leben zu ermöglichen. Das Jugendamt Harz ist uns ein guter Begleiter und stärkt uns immer wieder. Wir wollen durchhalten. Nun endlich haben wir auch ein Signal vom Saalekreis bekommen, dass das Prüfverfahren wohl noch in diesem Jahr abgeschlossen wird. Wir sind gespannt.

Wie es mit dem Kleinen gesundheitlich weitergeht, kann noch keiner sagen. Er wird aufgrund seiner schweren Kopfverletzung behindert sein, wie schwer, wissen wir nicht. Die Prognosen lassen erstmal nichts Gutes erahnen. Wir werden viel Hilfe brauchen und wir werden Unterstützung bekommen – von Familie, Freunden, dem AKJH und anderen Institutionen.

Mit Freude und Spannung schauen wir auf die uns bevorstehende gemeinsame Zeit!

Sabine Naumann, Familienbegleiterin am AKJH

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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