Emotionen in Erinnerung – eine Ehrenamtliche berichtet

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Emotionen in Erinnerung

Anfang Oktober erreichte mich die Bitte um Begleitung eines kleinen Jungen, der viel zu früh das Licht der Welt erblickt hatte. Ein kleines Kerlchen mit 485 g in der 24. Schwangerschaftswoche geboren, Eltern russischer und ukrainischer Herkunft, wohnend in Dortmund und Mutti von den dortigen Ärzten bereits vor der Geburt nach Halle an die Uni-Klinik überwiesen. Selbst das schon eine schlimme Sache, da bekannt war, dass es eine Risikoschwangerschaft war, oder gerade deshalb. Viel zu früh und Mama unter sehr schweren Bedingungen entbindend, sich aber wiederholt für das Leben ihres Sohnes aussprechend entbunden, kam der Kleine in die Frühchenstation.

Hier begann mein „Auftrag“: körperliche Nähe in Form von Kuscheln, Streicheln und sprachlicher Kommunikation. Gar nicht so einfach, kannte ich doch Bilder von Frühchen. Die Realität war anders. Emotional aufgewühlt, ob ich damit fertig werde?! Alle machten mir Mut und mit Hilfe der Krankenschwestern der Station wurde ich zur bekannten „Kuscheltante“ vom Kinderhospiz, die ca. 2mal wöchentlich zum Kuscheln und Reden, weniger zum Singen, denn wenn er das gehört hätte wäre er sicherlich aus dem Bett gehüpft, kam. Die Zeit verging im Fluge, war sehr emotional und für mich, die eigentlich immer in Action und Rumwuseln ist, eine völlig neue Erfahrung. Ich selbst fand durch die Ruhe die ich geben wollte, zu mir selbst. Ich selbst genoss diese Zeit sehr intensiv. Mit der Mutti stand ich in losen telefonischem Kontakt.

Ende des Jahres, hatte sich sein Gesundheitszustand so gebessert, mehrere OP´s und eine gute Gewichtszunahme, sodass angedacht war, ihn Richtung Heimat zu verlegen, um den ständigen Kontakt der Eltern zu ihm in einer Art Reha anzubahnen. Ich schrieb den Eltern einen lieben Brief mit allen guten Wünschen und verabschiedete mich.

Kurz darauf erfuhr ich, dass er noch immer auf ITS war, da eine wichtige OP wiederholt werden musste. Also durfte ich noch eine Weile die Kuscheltante sein. Mittlerweile wog er über 2 kg und wurde oft recht schwer beim „Umhertoben“ im Zimmer, das sich aber ausschließlich auf meine körperlichen Aktivitäten begrenzte, da er weder sehen, noch hören konnte und auch sonst kaum auf äußere Reize reagierte.

Mitte April erhielt ich dann plötzlich die Antwort auf meine telefonische Anfrage auf der Station, ob ich kommen könne, er ist vor ein paar Stunden mit dem Krankentransport zur Reha verlegt worden. Nach so langer, intensiver Zeit, war das ein seltsamer Schmerz. Ich konnte nicht wirklich „Tschüss“ sagen, freute mich andererseits aber sehr darüber, dass er jetzt bei Mama, Papa, Bruder und Familie ist.

Von der Mutti bekam ich eine ganz liebe Nachricht mit herzlichem Danke und kurz darauf ein Foto von ihrer Kur: der kleine Fratz im Kinderwagen, süß angezogen. Ich dachte oft an ihn. Besonders, als ich ein neues „Begleitkind“ bekam, fragte ich mich, wie sein Leben wohl jetzt aussähe. Wie telepathisch: die Mama schickte mir ein Foto auf´s Handy mit der Unterschrift. „Liebe Grüße aus Dortmund“. Ich war mehr als happy. Antwortete, dass ich mich seeeeehr freute, dass sie noch an mich denken. Postwendend kam die Ansage: „Wir denken an Sie immer. Liebe Grüße“.

Das war viel mehr, als ich erwartet hatte. Mir standen die Tränen in den Augen und die Gänsehaut machte es noch schlimmer. Das kann das beste und teuerste materielle Geschenk nicht wettmachen. Ich bin immer noch emotional berührt, denn die Eltern kennen mich ja kaum.

Meiner Familie und Freunden, denen ich das erzählte, freuten sich mit und hatten oftmals ähnliche Gefühlsregungen.

An alle Familienbegleiter und die Mitarbeiter des Kinderhospizes:

Es ist nicht nur ein Geben, sondern eine emotional erfüllte Erfahrung. Es lohnt sich für alle. Ein bisschen Zeit für gute Taten.

Ich bin sehr froh, das erfahren zu haben.

(Kerstin P.)

 

 

 

 

 

 

 

 

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